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Ein Gang durch die Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Drevenack

Kirche in Drevenack, Quelle: Dießenbacher

Die Kirchengeschichte von Isabella Benninghoff-Lühl führt erste Nachweise christlichen Lebens in Drevenack etwa um das Jahr 1230 an, als im Einkommensverzeichnis des Viktorstifts in Xanten Einkünfte aus der „parrochia Drivenek“ angeführt werden. Eine Kapelle in Drevenack, die dem Heiligen Sebastian gewidmet gewesen sein soll, wird erstmals im Jahre 1308 in einem Verzeichnis des Kölner Erzbischofs erwähnt.

Wann die Ideen der Reformation in Drevenack Einzug gehalten haben, lässt sich aufgrund der Quellenlage zeitlich nicht exakt angeben. Ganz sicher ist der Übergang von der katholischen zur lutherischen Lehre nicht linear verlaufen, sondern dürfte auch bedingt durch die unsicheren politischen Gegebenheiten ein wechselvoller Prozess gewesen sein, der aber immer ganz wesentlich von der Person des Ortsgeistlichen beeinflusst wurde. Die reformatorischen Bestrebungen in der Umgebung – nicht zuletzt die in Wesel – werden auch stets Einfluss auf die Verhältnisse in Drevenack gehabt haben. Neben anderen verbreitete z.B. Adolf Clarenbach als Konrektor der Weseler Lateinschule schon zwischen 1523 und 1525 die Lehren Luthers in Wesel. Bis zur ersten Feier des Abendmahls unter beiderlei Gestalt in Wesel im Jahre 1540 war seit dem Thesenanschlag Luthers fast ein Vierteljahrhundert vergangen.

Drevenack, seit dem Jahre 1527 ohne eigenen Pfarrer und nur durch benachbarte Klöster und Kirchengemeinden seelsorgerisch mitversorgt, war möglicherweise aufgrund dieser Situation Veränderungen gegenüber besonders aufgeschlossen. Ein Ereignis aus dem Jahre 1543 kann den Fortschritt im Übergang zum lutherischen Glauben dokumentieren. Als der Herzog von Kleve zur Aufbesserung seiner Kriegskasse gegen Ende des 3. Geldrischen Erbfolgekrieges alle Kirchengemeinden anwies, ihre liturgischen Geräte aus Gold und Silber abzuliefern, geschah dies auch in Drevenack. Eine Monstranz, silberne Kelche, die auch als Hostienteller dienen konnten, und Ölkännchen wurden dem Herzog übergeben. Aus der Tatsache, dass von der Möglichkeit des Rückkaufs von der Kirchengemeinde in Drevenack kein Gebrauch gemacht wurde, kann geschlossen werden, dass sie für die Gestaltung der Gottesdienste entbehrlich waren.

Kirche Drevenack - Richtung Nord, Quelle: Dießenbacher

Im Protokoll der Dinslakener Synode von 1612 gibt Pfarrer Franz Boesmann – seit 1595 Pfarrer in Drevenack – an, dass er zwei lutherische Vorgänger gehabt habe und dass der kleine Katechismus Martin Luthers in Drevenack im Gebrauch sei. Weiterhin möchte er für Drevenack die Zweibrücker Kirchenordnung erwerben. Diese und andere Kirchenordnungen waren nicht nur Ausdruck der veränderten kirchlichen Lehre, sondern betrafen den gesamten gesellschaftlichen Wandel in der damaligen Zeit. Auch die Ideen des Weseler Konvents von 1568 und der Emder Synode im Jahre 1571 haben das Fortschreiten der Reformation am Niederrhein beeinflusst. Die Emder Synode erteilt den hierarchisch-autoritären Kirchenstrukturen eine klare Absage und legt in ihren Beschlüssen die presbyterial-synodale Ordnung, also den Aufbau der Kirchen „von unten nach oben”, fest. Diese Einflüsse auf unsere Region und sicher auch auf die Drevenacker Kirchengemeinde unterstreichen die Tatsache, dass der Protestantismus am Niederrhein weniger ein Ergebnis landesherrlicher Reformen, sondern vielmehr Ausdruck eines hohen Maßes konfessionellen Eigenbewusstseins und kirchlicher Selbstverwaltung war. Die großen sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen durch die Industrialisierung – vor allem auch im nahen Ruhrgebiet – erfordern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Maßnahmen zur Hilfe für nichtsesshafte Männer. In der damaligen Rheinprovinz wird 1883 der „Rheinische Verein wider die Vagabundennot“ gegründet. Er wird bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück in der „Lühlerheide“ fündig und im Frühjahr 1886 nimmt die „Rheinische Evangelische Arbeiterkolonie Lühlerheim“ mit 19 Kolonisten ihre Arbeit auf. Diese Einrichtung evangelischer sozialer Arbeit ist von Anfang an seelsorgerisch der Kirchengemeinde Drevenack zugeordnet.

Seit 1912 gibt es die Kapelle auf Lühlerheim, die ein regelmäßiger Gottesdienstort der Gemeinde ist: am 1. und 3. Samstag im Monat um 18:15 Uhr sowie zu zahlreichen Kasual-Gottesdiensten.

Geschichte wiederholt sich. Fast genau 400 Jahre nach der Ablieferung von liturgischen Geräten zur Finanzierung eines Krieges muss die Kirchengemeinde Drevenack – wie viele andere Kirchengemeinden auch – für die Rüstungsindustrie im Jahre 1942 ihre große Kirchenglocke von 1520 zur Verfügung stellen. Sie wurde allerdings nicht eingeschmolzen und gelangte nach Kriegsende unter glücklichen Umständen wieder nach Drevenack. Seit Frühjahr 1950hängt sie wieder an ihrem ursprünglichen Ort. Eingedenk der immensen Kriegszerstörungen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wesel und Schermbeck kann dieser Umstand und die Tatsache, dass unsere alte Dorfkirche bis auf die Beschädigung der Kirchenfenster den Zweiten Weltkrieg ohne größere Schäden überstanden hat, nur als großes Glück für unsere Gemeinde gewertet werden.

Im Laufe ihrer Geschichte hat sich das Gebiet der Kirchengemeinde Drevenack immer wieder verändert. Nach Auflösung der Krudenburger Kirchengemeinde im Jahre 1817 konnten die evangelischen Christen dieser Gemeinde – ein großer Teil stammte aus Obrighoven – wählen, ob sie in Zukunft der Hünxer oder der Drevenacker Kirchengemeinde angehören wollen. 13 Familien, das entspricht 4/5 der Krudenburger Kirchengemeinde, entschieden sich für die Zugehörigkeit nach Drevenack.

"Ehre sei Gott in der Höhe"  Luc. 2.14, Quelle: Dießenbacher

1991stimmen die noch zur Kirchengemeinde Drevenack gehörenden Bewohner des Schermbecker Ortsteils Bricht für eine Zugehörigkeit zur Kirchengemeinde Schermbeck.

Seit 2011 wurden im Kirchenkreis Wesel vier „Pfarr-Regionen“gebildet. Ziel ist die verbesserte Abstimmung von Gottesdienstterminen und die sinnvolle Kooperation bei Gemeindeaktivitäten benachbarter Kirchengemeinden einer Pfarr-Region. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde Schermbeck bildet Drevenack die „Region Ost“ des Kirchenkreises Wesel.