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Evangelische Kirchengemeinde Schermbeck - von der Reformation bis in die Neuzeit

Kirche Schermbeck - Richtung Nord, Quelle: Dießenbacher

Die Kirchengemeinde Schermbeck ist eine unierte evangelische Gemeinde mit lutherischen und reformierten Wurzeln. Die Ursprünge dieser Gemeinde gehen zurück in die Zeit der Reformation. Unklar ist jedoch ab wann genau die im dem 15. Jahrhundert erbaute St. Georgskirche in die Hand der Protestanten überging. Ebenso lässt sich nicht sicher sagen, zu welchem Zeitpunkt die evangelisch-lutherische Gemeinde in Schermbeck gegründet wurde.

Die Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Schermbeck ist stark bestimmt durch die Lage des heutigen Ortes Schermbeck an der Grenze zwischen dem Rheinland und Westfalen.Die Gemeinde setzt sich heute zusammen aus den ehemals selbstständigen Orten Schermbeck, Bricht, Overbeck, und Alt-Schermbeck und anderen kleinen Ortsteilen.

Die Unterteilung in Alt-Schermbeck und Schermbeck hat mit dem Kauf eines Gerichtsanteils zu tun, den der Graf von Kleve etwa um 1300 tätigte. Durch diesen Kauf entstand unmittelbar an der St. Ludgerus-Kirche in Alt-Schermbeck die Grenze zwischen den Dioziösen Münster und Köln, sowie die Grenze zwischen Alt-Schermbeck und Schermbeck. Es wird vermutet, dass die Dioziöse Münster vorher weite Teile des späteren Schermbecks umschloss und etwa bis Bricht und Overbeck reichte. Die neu entstandene Grenze war zur Zeit der Reformation auch der Grund dafür, dass Alt-Schermbeck anders als Schermbeck bis auf ein kurzes Zwischenspiel (von etwa 1540 bis 1680) bis zum Ende des 2. Weltkrieges rein katholisch blieb. Dies hatte zu tun mit den unterschiedlichen Herrschern der beiden Gemeinden.

Schermbeck gehörte zur Zeit der Reformation immer noch zum Herzogtum Kleve und durch verschiedene, sehr wahrscheinlich vor allem machtpolitisch motivierte Entscheidungen der Grafen von Kleve wurde die Verbreitung des Gedankenguts der Reformatoren begünstigt.Den Anfang machte Graf Johann III. (1521-1539) in dessen Regierungszeit eine Kirchenreform fällt. Ihr Ziel sollte es sein, die Missstände in der Kirche zu beheben. Ein Bestreben, das er mit den Reformatoren teilte. Wichtig ist auch, dass Johann III. durch den Humanismus geprägt war, der u.a. die reine Lehre der biblischen Texte vertrat.Auch sein Nachfolger Wilhelm V. (1539-1592) war durch den Humanismus beeinflusst. Wilhelm V. war in seiner Religionspolitik äußerst unbeständig bzw. orientierte diese hauptsächlich an seinen politischen Zielen. Es wird angenommen, dass während seiner Herrschaftszeit eine fest bestehende evangelische Gemeinde in Schermbeck entstand.

 Eine greifbare Bestandsaufnahme gab es erst 1612 durch die Dinslakener Synode, die mithilfe eines Fragebogens versuchte die unterschiedlichen Verhältnisse, die in der Zeit der Reformation entstanden waren, festzustellen. Die Ergebnisse fielen sehr unterschiedlich aus. Einig waren sich jedoch alle Befragten „im Glauben an die Lehre Martin Luthers“.

Auch heute noch ist Evangelische Kirchengemeinde Schermbeck "Grenzgemeinde". Als Gemeinde in der äußersten östlichen Ecke des Kirchenkreises Wesel, liegt sie Richtung Osten an der Grenze zur Evangelischen Kirche von Westfalen, Richtung Süden, begrenzt durch die Lippe, ist sie dem Kirchenkreis Dinslaken unmittelbar benachbart.

Die St. Georgskirche ist eine ursprünglich dreischiffige, spätgotische Pseudobasilika des frühen 15. Jahrhunderts. Vorgängerin des Backsteinbaus war eine Kapelle, die im 14. Jahrhundert errichtet worden war und wahrscheinlich der Jungfrau Maria geweiht war. Ihre Fundamente wurden zwar entdeckt, aber nicht wissenschaftlich untersucht. Unter dem Chor befindet sich eine übergewölbte Grablege. Die Kirche ist geostet. Ihr wuchtiger, dreigeschossiger Westturm mit seiner markanten Hausstein-Eckverklammerung prägte früher noch deutlicher als heute das Ortsbild, weil er bis 1742 einen hohen, spitzen Helm trug.

Schermbecks Geschichte berichtet von fünf Stadtbränden. In vier von ihnen hat die St. Georgskirche gelitten. 1425 wurde sie von Johann II. von Gemen, der mit dem Herzog Adolf von Kleve in Fehde lag, zusammen mit der Stadt und der Burg in Brand gesteckt. Kaum wieder aufgebaut, verbrannte sie 1483 in einer weiteren Fehde, die zwischen Herzog Johann II. und Heinrich IV. von Gemen ausgetragen wurde. Nach diesem Brand hat man das nördliche Seitenschiff nicht wieder aufgebaut und durch eine hohe, wenig gegliederte Wand ersetzt. Die früher vorhandene vollständige Ausmalung, zuletzt 1492 erneuert, wurde nach der Reformation übertüncht.

1742 fing der Turm bei Schermbecks viertem Stadtbrand Feuer und brannte aus. Auch das südliche Seitenschiff nahm damals Schaden. Aus Geldmangel und wegen der höheren Sturm- und Feuersicherheit erhielt die Kirche danach einen niedrigen, stumpfen Turmhelm. Ihn ziert seit 1730 ein goldener Schwan als Symbol des Lutherturms.

Am 23. März 1945 ließen Brandbomben amerikanischer Flieger den Ort und mit ihm die St. Georgskirche in Flammen aufgehen. Bis auf das verlagerte Altarbild verlor die Kirche dabei fast ihre gesamte Ausstattung. Dazu zählten eine reichgeschnitzte Kanzel aus dem 17. Jahrhundert, eine Tafel von 1596 mit den Zehn Geboten, die Walcker-Orgel von 1909 in einem Gehäuse der Spätrenaissance und ein Wolfsnetz. Der Wiederaufbau begann schon 1945. Am 3. Advent 1951 wurde die St. Georgskirche wieder eingeweiht und in Gebrauch genommen. Im Jahr 2010 wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen am Gemäuer durchgeführt. Der Landschaftsverband Rheinland sorgte für eine fachgerechte Restaurierung des Altar-Triptychons aus dem Jahr 1506, das aus der Werkstatt Derick Baegerts stammt.

 

Ehemalige reformierte Kirche, Achteckiger Zentralbau,
Quelle: Dießenbacher