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Hamminkeln wird evangelisch

Kirche in Hamminkeln, Quelle: Dießenbacher

Wesel hatte lutherisch angefangen, wurde unter dem Einfluss der Niederländer aber  später reformiert. Die nachbarschaftlichen Kontakte der Stadt mit Hamminkeln, Berührungspunkte in Gericht und Verwaltung, Grundbesitz Weseler Familien in Hamminkeln, alles das waren Anlass und Ursachen dafür, dass Hamminkeln evangelisch wurde. Ein exaktes Datum lässt sich nicht feststellen, sicher ist, dass der katholische Pfarrer Georg Hagedorn 1555, im Jahr des Augsburger Religionsfriedens, mit seiner Gemeinde zum evangelischen Glauben übertrat. Im Jahr 1955 feierte die Gemeinde das 400-jährige Jubiläum der Reformation in Hamminkeln.

Seit 1568 tobte der Religionskrieg zwischen Spanien und den holländischen Provinzen. Der Krieg, der bis 1648 dauern sollte, machte auch am Niederrhein nicht halt. Durch niederländische Einflüsse hatte der calvinistische Glaube rasch Fuß gefasst und sich ständig ausgebreitet. Das reformierte Bekenntnis war durch sie erst am Niederrhein heimisch geworden

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und beeinflusste die Kirchenstrukturen maßgeblich. In vielen Orten, besonders in Wesel, führten Einflüsse niederländischer Glaubensflüchtlinge dazu, dass ursprünglich lutherische Gemeinden zur reformierten Glaubensform wechselten. Der Einfluss reformierter Niederländer, die Wesel besetzten, drang bis nach Hamminkeln. Das calvinistische Glaubensbekenntnis wurde mit massiver Gewalt durchgesetzt, obwohl deutlich in der Minderheit, dominierten die Reformierten die Gemeinde bis zur Union 1818, der Vereinigung der Calvinisten und Lutheraner. 1642 gab es nur fünf Familien, die dem reformierten Glauben anhingen und nach Calvins Auslegung der Bibel selig werden wollten. Dazu gehörten allerdings Einwohner mit Einfluss und Vermögen.. Bei ihnen fanden die Reformierten stets Rückhalt und Unterstützung. So verpachtete  zum Beispiel der Freiherr von Spaen, er war reformiert wie sein kurfürstlicher Landesherr,  seine Höfe in Hamminkeln an reformierte Christen aus Brünen.

Der 80-jährige Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden hatte am Niederrhein verheerende Folgen. Gekämpft wurde um Macht und Konfession, es wurde geraubt und geplündert. Auch die Kirchen waren betroffen, 1609 Stahlen Soldaten aus Wesel den Klöppel der Glocke, er musste in Wesel zurückgekauft werden. Ein Jahr später kamen wieder Soldaten in das Dorf, die Tore zum Kirchhof wurden verbrannt und mussten erneuert werden.

Kirche in Hamminkeln - Richtung Süd, Quelle: Dießenbacher

Allerdings war die Situation wechselhaft, da militärische Auseinandersetzungen, vor allem der spanisch-niederländische Krieg die konfessionelle Situation mitbestimmten. Besonders einschneidend war die Besetzung der Orte durch fremde Truppen. Spanische Truppen vertrieben sofort protestantische Prediger und unterdrückten jede Ausübung des evangelischen Glaubens. Die Niederländer übergaben katholische Kirchen evangelischen Gemeinden. Bei einem Wechsel des Kriegsglücks wurden diese Maßnahmen meist sofort wieder rückgängig gemacht, oft nur für kurze Zeit, bis zu einem militärischen oder politischen Umschwung. So wurde 1636 ein reformierter Feldprediger eingesetzt und der lutherische Pfarrer aus Kirche und Pfarrhaus vertrieben. Aber er gab nicht auf, predigte ohne Kirche und Pfarrhaus unter freiem Himmel und auf Bauernhöfen.

Es gab aber nicht nur Streit und konfessionellen Hader in Hamminkeln, es gab auch Gesten des Miteinander und der Hilfe. Wenn im evangelischen Hamminkeln katholisch getauft und getraut werden sollte, so erhielten Geistliche, Täuflinge und Eheleute der Papstkirche Gastrecht in der Hamminkelner Kirche Luthers. Beispiel sind aus dem 18. Jahrhundert überliefert. Ein umgekehrtes Entgegenkommen zeigten die Loikumer Katholiken vor allem unter ihrem Pfarrer Theodor Terstege (1712-1742). Da sich Einwohner meist nicht fein säuberlich nach katholisch und evangelisch trennen lassen, gab es auch in Loikum ein paar evangelische. Sie durften ihre Toten in der katholischen Kirche aufbahren. Dort wurde ihnen ein Totenamt gesungen und eine Grabstätte erhielten sie auf dem katholischen Friedhof. Zahlen mussten sie natürlich – neben dem Opfer für den Altar – eineinhalb Taler an den Pfarrer und einen halben an den Küster.

       

 

 

Klaus Braun,

ehrenamtlicher Archivar in der Evangelischen Kirchengemeinde Hamminkeln