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Die Reformation in Wertherbruch

Die Geschichte der Kirchengemeinde Wertherbruch

von Pfarrer Udo Schmitt

Kirche in Wertherbruch, Quelle: Dießenbacher Informationsmedien
Quelle: Dießenbacher Informationsmedien
Quelle: Dießenbacher Informationsmedien

 

Die Kirchengemeinde Wertherbruch hat ihre Anfänge im Mittelalter. Sie war lange im Besitz von adligen Herren (deshalb: „Alte Herrlichkeit“), viele davon stammten aus Holland. Als einer dieser Herren zum „reformierten“ Glauben wechselte, wurden auch die Wertherbrucher automatisch zu Reformierten. Die Kirche wurde kurze Zeit später von allem heidnischen Tand gereinigt (bis heute gibt es kein Kreuz im Altarraum). Es fanden allerdings keine „ethnischen Säuberungen“ statt, weshalb in den Randgebieten des Dorfes immer auch Katholiken wohnten. Darum sagt man auch schon mal im Scherz: „Et gibt die Schwatten, die Blauen un die Brüüker“. - Hier ein kleiner Überblick:

1296
Die Siedlung „Wertherbruch“ wurde 1296 gegründet, um das „Bruch“ (Sumpfland) ringsum trocken zu legen und urbar zu machen. Das Gebiet gehörte zum Bistum Köln. Die ersten Siedler mussten deshalb zu Fuß (nicht nach Köln aber) nach Haldern zur Kirche gehen. Darum begann Peter van der Lecke, Leiter des Sied- lungsprojekts und Burggraf von Werth, den Bau einer eigenen Kirche. Gerüchtehalber handelt es sich dabei um den ältesten „Schwarzbau“ in der Stadt Hamminkeln. Tatsächlich gab es im Archiv der Stadt Köln eine Urkunde, aus dem Jahr
1318
stammt sie, die den Beginn der Bautätigkeit belegt. Dieser Bau war etwas kleiner als der heutige, Teile davon sind im Chor erhalten. Kirchen sind immer Baustellen. Zwischen 1450 und
1520
wurde die Kirche zur heutigen Gestalt erweitert. Sie hieß ursprünglich „Marienkirche“. Doch nicht für lange. Floris I. von Pallandt, Graf von Culemborg wechselte so um das Jahr
1566
zu den Reformierten (Calvinisten). Und damit wurden auch Werth und Wertherbruch offiziell evangelisch. Auf Anordnung des Grafen höchst selbst fand dann
1572
ein „Bildersturm“ statt: Figuren, Altäre, Taufsteine und Maßwerkfenster wurden entfernt, Wandmalereien übertüncht. Eine radikale Maßnahme, doch man empfand die katholisch-mittelalterliche Religion damals als unmodern und sogar als „Götzendienst“. Denn schließlich heißt es in den 10 Geboten: „Du sollst dir kein Bildnis machen“. Doch auch das ist wahr: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“. Und wahrlich: Es folgten stürmische Zeiten. Denn: Erst kamen die klevischen Steuerbeamten, dann die niederländischen Soldaten und schließlich
1581
die Spanier. Und jeder hauste schlimmer als sein jeweiliger Vorgänger. Es war der Untergang des alten Wertherbruch, die Häuser und Höfe waren zerstört, die Bewohner tot oder geflohen, das Dorf stand 14 Jahre lang leer. - Erst
1595
nach der Vertreibung der Spanier durch holländischenglische Truppen war an Rückkehr und Wiederaufbau zu denken. Kirche und Gemeinde blieben fortan evangelisch - reformiert. Die Reformierten am Niederrhein organisierten sich
1610
in einer Generalsynode und gaben sich ein presbyterial19 synodales System, das bis heute in der Evangelischen Kirche im Rheinland gepflegt wird. Die Alte Herrlichkeit wechselte mehrfach den Besitzer, zuletzt gehörte sie Graf Carl Alexander Wilhelm von Wartensleben.
1805
kam Wertherbruch in den Besitz der Franzosen, und das war das Ende des alten Lehnssystems und also auch der „Alten Herrlichkeit“. Einige Jahre später war Napoleon geschlagen und
1815
wurde Wertherbruch endgültig preußisch und gehörte lange zum Amt Haldern.

 

Und mitten im Dorf bleibt – komme was kommen mag - die Kirche, deren 700. Geburtstag wir nächstes Jahr feiern:

Es ist eine Staffelkirche aus Backstein in früh- bis spätgotischem Baustil. Typisch für diese Gegend (Niederrhein, Niederlande) sind dreigeschossiger Westturm, das Hauptschiff mit nur einem Seitenschiff und der hohe Chor im Osten. Die Kirche ist übrigens das einzige Gebäude des Ortes, das nicht nach der Straße sondern nach Osten ausgerichtet (= orientiert) ist.