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Die Reformation in Ringenberg-Dingden

Ringenberg-Dingden – eine Geschichte in zwei Teilen

von Pfarrer Udo Schmitt

Kirche in Ringenberg, Quelle: Dießenbacher Informationsmedien
Kirche in Ringenberg, Quelle: Dießenbacher Informationsmedien
Quelle: Dießenbacher Informationsmedien

 

 

Die Geschichte der Gemeinde beginnt mit einem Ritter im Mittelalter, der vor der Gier eines Bischofs in die Wildnis floh. Flucht und Vertreibung prägten sie auch bis in die jüngste Vergangenheit und trugen dazu bei, dass aus Ringenberg die Gemeinde Ringenberg-Dingden wurde.

Teil 1: Ringenberg

 

1201
Sweder (Suitger), der Herr„von Dingeden“ hat Streit mit dem Bischof von Münster, weil dieser dem Dorf Bocholt Stadtrechte verleiht. Der Adlige zieht sich daraufhin in das Sumpfgebiet im Süden zurück und baut dort eine feste Steinburg, um sich gegen die Ansprüche des Bischofs besser verteidigen zu können.
1220
wird die Burg erstmals erwähnt und ist damit die älteste Ritterburg in dieser Gegend (Gemen 1280, Anholt 1317, Werth 1318). Sweder nimmt am Kreuzzug (Damiette) teil, kehrt krank und gebrochen auf seine Burg zurück und nennt sich nach dem neuen Stammsitz nun „von Ringenberg“. Durch Heirat einer Tochter aus diesem Haus kommt Ringenberg in den Besitz der Grafen von Kleve. Die nutzen es als Verwaltungs- und Wehrburg.
1329
Der neue Herr von Ringenberg erlaubt holländischen Familien, sich im Schatten der Burg anzusiedeln und das Bruch an der Issel zu kultivieren. Im kreisrund angelegten Dorf wird auch eine Kapelle errichtet, die wird
1342
erstmals erwähnt. Der Pfarrer von Dingden ist dafür zuständig und soll dort wöchentlich drei Messen lesen, wenn der Graf in der Burg weilt. 200 Jahre später, unter Wilhelm „dem Reichen“ von Kleve setzt sich die Reformation durch (seine Schwester Anna war übrigens ein halbes Jahr mit König Heinrich VIII. von England verheiratet, war dem aber zu hässlich und er ließ sich wieder von ihr scheiden).
1571
wird notiert, dass Ringenberg evangelisch geworden ist. Die Kirchengemeinde untersteht nun nicht mehr dem kath. Dingden, sondern orientiert sich nach Hamminkeln, das auch evangelisch ist. Aber was heißt das? In der Folge kommt es immer wieder zu Streitigkeiten, wem nun die Kirche gehört: Den (Hamminkelner) Lutheranern oder den (Ringenberger) Reformierten?
1648
verfügt der Kurfürst von Brandenburg (die Grafen von Kleve waren da schon ein halbes Jahrhundert ausgestorben), dass die Kirche beiden (ev.) Parteien zum Gottesdienst dienen soll. 1648 belehnt er außerdem einen seiner Offiziere und Waffengefährten aus dem 30jährigen Krieg mit der Herrschaft über die Freiherrlichkeit Ringenberg. Von nun an regiert da die Familie von Spaen (sprich Spahn, nicht Spän) und musste sich erstmal an den Wiederaufbau machen. Denn durch den Krieg waren Dorf, Burg und Kirche zerstört, das Pfarrhaus war abgebrannt.
1661
wurde die Burg zum Barockschloss ausgebaut. In der wiedererrichteten Kirche wird unter dem Chor eine Leichenkammer angelegt für die Angehörigen der Familie. Davon ist noch eine Grabplatte erhalten (steht im Turm), und der Degen unter der Orgel stammt ebenfalls aus dem Besitz der Familie von Spaen. In der Zeit vom Alten Fritz wird eine neue Kirche gebaut,
1754
eingeweiht, die alte drohte einzustürzen und wurde abgerissen. Nach dem Geschmack der Zeit und nach Plänen des Architekten Vierevandt aus Arnheim besteht die Kirche aus einem 8-eckigen Backsteinbau im niederländischen Barock-Stil, zunächst noch ohne Turm.
1907
erfolgte eine umfassende Renovierung der Kirche und erst da wurde der 3-geschossigen Turm mit barocker Schweifhaube ergänzt.
1933
wurde auf dem Platz vor der Kirche die „Luther-Eiche“ gepflanzt, zum 450. Geburtstag von Martin Luther.
1945
wurde die Kirche größtenteils zerstört. Die Grablege und die hölzernen Epitaphen (Totenta16 feln) der Familie von Spaen gingen dabei unwiederbringlich verloren. Nach dem Krieg leitete der Architekt Grütjen aus Hamminkeln den Wiederaufbau; die Kirche wurde schon
1950
wieder eingeweiht. Der damalige Pfarrer Steinbach sorgte auch dafür, dass Vertriebene auf Kirchengrund angesiedelt werden. Nach ihm ist heute noch eine Straße, die „Pfarrer- Steinbach-Siedlung“ benannt.

Teil 2: Dingden

Die ev. Dingdener gehörten früher zur Kirchengemeinde Bocholt.

1923
kamen sie zur Kirchengemeinde Ringenberg. Was aber nicht weiter auffiel, da es nur sehr wenige Evangelische gab. Das änderte sich schlagartig mit der Ansiedlung der Vertriebenen aus den Ostgebieten nach 1945.
1945
Zum Gottesdienst, zur Frauenhilfe, zu Chorprobe oder Konfirmandenunterricht mussten die ev. Dingdener nach Ringenberg zur Kirche gehen, ein oder auch mehrmals die Woche zu Fuß. Später bot der Pfarrer alle zwei Wochen Gottesdienste in einem Klassenraum der kath. Volksschule an (heute Ludgeri- Grundschule). Bis 1969 gab es eine Ev. Volksschule (Pestalozzischule), die danach zur Kreuzschule (Hauptschule) fusionierte. Gleichwohl bemühte sich der Pfarrer Steinbach schon früh um den Bau einer Kirche, er besorgte Zuschüsse vom Land und dem Gustav-Adolf-Werk und sammelte Spenden bei Gemeindegliedern. Von den Katholiken zunächst als „Steinbachs Spinnerei“ abgetan, entstand
1963
die ev. Kirche in Dingden. Sie bestand zunächst nur aus dem Kirchraum und dem kleinem Gruppenraum, die Toiletten waren im Keller. Das große Buntglas-Fenster an der West17 seite mit abstrakten Mustern ist typisch für den Zeitgeschmack (Bauhaus, Mondrian). Die Gemeinde wuchs weiter. Mittlerweile gibt es mehr Evangelische in Dingden (über 800, Tendenz steigend) als in Ringenberg (unter 600, Tendenz sinkend). Bald wurden die Räumlichkeiten zu klein, und so kam es
1991
zur Erweiterung zum heutigen Gemeindezentrum mit großem Gruppenraum, Foyer, Küche und Toiletten. Der Architekt war Schlebes aus Hamminkeln.
1992
wurde auch die neue Orgel eingeweiht. Auf dem Grundstück dahinter wäre auch noch Platz für ein Pfarrhaus. Aber dazu ist es bisher nicht gekommen.